Wie arbeite ich?

© Karsten Weis

In meiner Arbeit als Gestalttherapeut orientiere ich mich am Erleben im gegenwärtigen Moment. Ausgangspunkt ist das, was sich im Hier und Jetzt im therapeutischen Dialog zeigt. Es gibt kein festes Vorgehen, dem wir folgen müssten. Der Prozess entwickelt sich aus dem, was gerade lebendig ist und Aufmerksamkeit braucht.

Ich verstehe Therapie als einen gemeinsamen Erkundungsraum. In diesem Raum werden Gefühle, Gedanken, körperliche Empfindungen, innere Impulse ebenso erforscht wie Unsicherheit, Zweifel oder Widerstand. Nichts muss verändert oder „richtig“ gemacht werden. Vielmehr geht es darum, dem eigenen Erleben mit Offenheit und Neugier zu begegnen und ihm Zeit zu geben, sich zu zeigen. Auf diese Weise kommst du allmählich in Kontakt mit dir selbst, mit deinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Gleichzeitig schauen wir behutsam darauf, welche inneren Muster oder Gewohnheiten dich daran hindern, die Erfahrungen zu machen, nach denen du dich sehnst.

Der Körper ist dabei ein wesentlicher Orientierungspunkt. Oft macht er spürbar, was sich Worten noch entzieht, zum Beispiel in Form einer Anspannung, einem innerlichen Rückzug, oder innerer Unruhe. Ich lade dazu ein, diese Signale wahrzunehmen und in den therapeutischen Prozess einzubeziehen. Der Weg über den Körper ist dabei kein zusätzlicher Schritt, sondern ein integraler Teil eines ganzheitlichen Vorgehens.

Meine Arbeit ist traumasensibel ausgerichtet und orientiert sich am Verständnis des autonomen Nervensystems. Viele Reaktionen, die als hinderlich oder problematisch erlebt werden, sind aus dieser Perspektive sinnvolle Schutz- und Überlebensreaktionen. In der Therapie geht es daher nicht darum, diese Reaktionen zu überwinden, sondern sie zu verstehen, zu würdigen und allmählich neue Spielräume zu eröffnen.


Ein weiterer wesentlicher Aspekt meiner Arbeit ist die Entwicklung von Selbstmitgefühl. Viele Menschen begegnen sich selbst mit Härte, innerer Kritik oder Ungeduld. Im therapeutischen Prozess geht es darum, eine andere innere Haltung kennenzulernen und sich selbst mit mehr Wohlwollen, Verständnis und Freundlichkeit zu begegnen, auch dort, wo es schwierig wird. So kann sich innerlich etwas entspannen und weicher werden, der Kampf gegen sich selbst darf zur Ruhe kommen.

So entsteht allmählich ein innerer Raum, in dem Erfahrungen integriert werden können und neue Wahlmöglichkeiten sichtbar werden. Veränderung geschieht dabei nicht durch Druck oder Kontrolle, sondern als natürliche Folge von mehr Selbstkontakt, innerer Sicherheit und Verbundenheit.